Prostatakrebs und totale Prostataentfernung

Bei der bösartigen Erkrankung der Prostata muss die komplette Prostata vor
allem aber das Prostatarandgewebe, in dem sich überwiegend der Krebs befindet, komplett entfernt werden. Hierzu ist eine millimetergenaue Präparation entlang der Prostatakapsel notwendig.

Bei der von uns ausschließlich durchgeführten offenen Operation erfolgt ein 8 bis 10 cm langer Unterbauchmittelschnitt unterhalb des Bauchnabels. Es handelt sich um einen relativ schmerzarmen Zugangsweg durch die Bauchdecke, da hierbei die Bauchwandmuskulatur nicht durchtrennt, sondern nur auseinander geschoben wird. Die Prostata wird komplett entfernt und anschließend die Blase wieder an die Harnröhre oberhalb des Schließmuskels angenäht. Der Katheter zur Schienung dieser Naht gewährleistet ein wasserdichtes Abheilen der Naht, sodass in den meisten Fällen der Katheter nach einer Woche wieder entfernt werden kann. Die Operation erfüllt folgende Ansprüche:

  1. Komplette Entfernung der krebsbefallenen Prostata, ohne dass im Randbereich Prostatakrebsgewebe zurück gelassen wird. Dies hätte zur Folge, dass ein hohes Risiko besteht,  dass der Krebs lokal wieder auftritt. In vielen Fällen müsste daher eine Nachbehandlung, z.B. in Form einer Bestrahlung erfolgen. 
  2. Erhalt der natürlichen Schließmuskelfunktion, sodass nach der Operation der Urin wieder so gehalten werden  kann, dass keine Harninkontinenz auftritt. Da die vom Schließmuskel umfasste Harnröhre in die Spitze der krebsbefallenen Prostata einstrahlt, ist hier eine äußerst genaue anatomische Präparation notwendig. Hierbei muss sowohl der Schließmuskel erhalten werden als auch der Rand des Schließmuskels krebsfrei sein. Da der Übergang zwischen Schließmuskel und Prostata auch mit noch so starken Lupenvergrößerungen nicht sichtbar ist, wohl aber durch Zeige- und Mittelfinger des Operateurs gut tastbar ist, kommt es gerade bei diesem entscheidenden Schritt der Operation auf Gefühl und Tastsinn des erfahrenen Operateurs an. Dies ist der Hauptgrund, warum an unserer Klinik diese Operation nicht endoskopisch oder roboter-assistiert durchgeführt wird, da mit der sogenannten Schlüsselloch-Chiurgie in diesem Fall der Tastsinn des Operateurs nicht mit eingebracht werden kann. 
  3. Nervenschonung: In vielen Fällen kann die Abhängigkeit vom Tumorstadium das Nervengewebe, das die Prostata umgibt, geschont werden. Dies ist nicht für den Erhalt der Schließmuskelfunktion wichtig, sondern für das Einleiten einer normale Erektion. Die Nerven können erhalten werden, in vielen Fällen beidseitig, in manchen jedoch nur einseitig und müssen hier scharf entlang der Prostatakapsel abgelöst werden. Auch hier kommt es auf den Tastsinn des Operateurs an, um gewebsbedingte Verhärtungen und evtl. Fixierungen dieser Nervenbündel zu erkennen. Daher muss in machen Fällen hier noch während der Operation eine sog. Schnellschnittdiagnose in Zusammenarbeit mit dem Pathologen erfolgen, um hier nicht krebsbefallene Teile der Nervenstränge zurück zu lassen. Durch die unmittelbare Anbindung eines versierten Pathologen an unserer Klinik steht uns innerhalb von wenigen Minuten hier eine pathologisch fundierte Diagnostik zur Verfügung. An der Hagener Klinik werden jährlich etwa 100 radikale Operationen der Prostata nur von erfahrenen Operateuren durchgeführt (Chefarzt und Oberarzt). Der Chefarzt der Klinik hat 16 Jahre als Oberarzt in der Universitätsklinik Marienhospital Herne gearbeitet. Die dort erlernte und verfeinerte Technik der radikalen Prostatektomie wurde in der Hagener Klinik komplett umgesetzt. Die Kontinenzrate unserer Patienten liegt bei über 95% der Erhalt der Erektionsfähigkeit bei bds. Nervenschonen gelingt bei ca. 70% der Männer, die zum OP-Zeitpunkt noch potent waren. Bei einseitigem Nerverhalt sinkt die Rate der Erektionsfähigkeit auf etwa 35%.


Als wenn die Diagnose Prostatakrebs nicht schon schlimm genug wäre, müssen sich die betroffenen Männer häufig noch mit einer Vielzahl von  Ratschlägen aus Freundes- und Bekanntenkreis, behandelnden Ärzten und Ratschlägen aus dem Internet auseinandersetzen. Diese Fülle von Informationen macht es häufig für die Betroffenen schwer, eine Entscheidung über die Art der operativen Behandlung zu fällen. Neben der von uns durchgeführten sog. retropubischen Prostataentfernung durch einen Unterbauchschnitt steht als Alternative die Prostataentfernung durch einen Dammschnitt, die konventionell endoskopisch sog. laparoskopische Prostataentfernung sowie die roboter-geführte laparoskopische Prostatektomie zur Verfügung. Auf den Internetseiten der urologischen Kliniken, die über ein Robotersystem (Da Vinci) verfügen, wird das Verfahren häufig firmen-unterstützt und werbewirksam angeboten. Dabei wird völlig unbegründet behauptet, dass das rotobter-assistierte Verfahren in jeglicher Hinsicht besser als das konventionell-chirurgische Verfahren sei.

 

Anzumerken ist, dass sich das offen chiurgische –sog. konventionelle Operationsverfahren – in den letzten 20 Jahren fortlaufend weiter entwickelt und verbessert hat. Wir verfügen in unserer Klinik über ein Spezialinstrumentarium zur Präparation sowie ein spezielles Xenon-Licht, das der Operateur auf dem Kopf trägt sowie ggf. auch die Zuhilfenahme einer Lupenbrille.

Schmerzen durch den Unterbauchschnitt nach der Operation reten praktisch nicht auf, da für die Dauer von etwa 3 Tagen eine komplette Schmerzausschaltung durch die Verwendung eines sog. Periduralkatheters (rückenmarksnahe Schmerz-Applikation) durchgeführt wird.

Die einzig und allein bestehenden kosmetischen Vorteile eines endoskopischen Verfahrens mit 5 kleineren Endschnitten an der Bauchdecke spielen für die meisten Männer nicht die entscheidende Rolle. Beim offenen chirurgischen Verfahren erfolgte der Zugang außerhalb des Bauchfells, sodass Bauchfell und Darmeingeweide hierbei geschont werden können. Bei der roboter-assistierten Operationsmethode erfolgt der  Zugang komplett durch die innere Bauchhöhle, sodass als Folge Verwachsungen der Darmschlingen entstehen können. Darüber hinaus wird die Operation in einer maximalen Kopftieflage unter Aufblähung des Leibes mit CO2-Gas durchgeführt. Dies führt dazu, dass ein Teil der Patienten nach der Operation über Stauungserscheinungen in der oberen Körperhälfte sowie über lagerungsbedingten Schulterschmerzen klagen.

Entscheidend bei dieser Operation ist sicherlich die saubere Entfernung des Prostatakrebses ohne Zurücklassen von positiven krebsbefallenen Schnitträndern sowie der Erhalt der Schließmuskelfunktion.

Die Ergebnisse der roboter-assistierten Operationsmethode sind dabei nicht wie häufig behauptet besser, sondern häufig sogar schlechter. So fanden sich bei hervorragenden Roboter-Operateuren bei kapseleinwachsenden Prostata-Carcinomen (sog. Stadium T3) bei 29% bis 38% der Patienten tumorbefallene Schnittränder. Dies ist eine inakzeptable hohe Rate. Auch die Kontinenzrate ist langfristig keineswegs besser.

Der entscheidende Nachteil der roboter-assistierten Operationsmethode ist der fehlende Tastsinn des Operateurs. Gerade bei Carcinom-Operationen ist das Fühlen der Gewebsbeschaffenheit, aber auch die Härte und Präparierbarkeit des Gewebes entscheidend für den Operationserfolg.
Auch das Tasten von Harnröhre und Prostata und das Festlegen des Schnittrandes sind für den Erhalt der Kontinenz wesentlich.

 Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Befragung unter deutschen Urologen, nach welcher Operationsmethode sie sich im Falle eines Prostata-Krebses behandeln lassen würden. Erstaunlicherweise entschieden sich hierbei 80% der Urologen für eine offene chirurgische sog. retropubische Prostataentfernung.

Aufgrund der o.g. Tatsachen führen wir an unserer Klinik keine roboter-assistierte Operation durch und werden dieses Gerät aufgrund der bislang eher schlechteren Ergebnisse nicht anschaffen. Wir führen daher die OP-Methode durch, von der wir überzeugt sind und die wir auch entsprechend gut beherrschen.


So erreichen Sie uns!

Eine Internet-Information kann in keinem Fall ein persönliches Beratungsgespräch mit dem operierenden Arzt ersetzen. Daher bieten wir Ihnen an, kurzfristig einen Termin mit dem  Chefarzt oder dem Oberarzt der urologischen Klinik zu einem beratenden Gespräch zu vereinbaren. Sie erreichen uns und unter 
T (02331) 201 - 2656.

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